Jungen-Pädagogik

Das Verhalten und auch die Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen sind meist als völlig unterschiedlich erlebbar – sie fühlen und denken auf unterschiedliche Weise, haben andere Vorlieben und Interessen und auch ein ungleiches Repertoire mit Gefühlen und Emotionen umzugehen.
Sie haben oft verschiedene Hobbies und Vorstellungen was ihnen Freude macht, wie sie ihren Tag gestalten möchten.
In der Jungen-Pädagogik werden geschlechter-spezifische Unterschiede berücksichtigt und alltagswirksame Angebote und Methoden erarbeitet.

„Seit Jahrhunderten umkreisen wir das Kind mit unterschiedlichsten Vorstellungen, beim Kind selbst sind wir immer noch nicht angekommen.“
(R. Largo)

 

Jungen sind anders!?

Mädchen und Jungs regulieren sich und ihre Emotionen ziemlich konträr. Während Jungs oft körperlicher in ihrem Tun sind und gerne Machtkämpfe oder Rangeleien körperlich austragen und ebenso von Klein auf ihre körperlichen Fähigkeiten mit anderen messen möchten, suchen sich Mädchen eher jemanden zum Reden oder Austauschen wenn Probleme anliegen.

Jungs orientieren sich gerne an einer Gruppe oder einem Team und versuchen dort auch mitzuhalten, sie machen oft Dinge die sie eigentlich gar nicht tun möchten oder gar nicht gut finden aus dem Gruppendruck heraus. Mädchen hingegen haben gerne ein oder zwei enge Freundinnen mit denen sie vieles was in ihnen vor geht teilen. Jungs machen viele Sorgen, Probleme oder Nöte mit sich selbst aus und halten von Austauch und Kommunikation meist nicht sehr viel. Das Thema Wettbewerb ist für die Jungs größtenteils von großer Bedeutung –  sie messen sich immer wieder gerne miteinander (höher-schneller-weiter).

Aggression ist wichtig!?

Der Großteil der pädagogischen und sozialen Einrichtungen (Krippe, Kindergarten, Schulen, Hort, Ganztagesbetreuung…) ist auf Mädchen ausgerichtet.
Laut sein, toben, den Körper und seine Kräfte ausprobieren ist meist verboten – es soll leise sein in den Gruppen und Klassen und oft werden in den KiTa-Gruppen etc nur Angebote gemacht wie : Perlenfädeln, Weben, Malen, Klanggeschichte etc.. Es wird im Stuhlkreis still gesessen und auch in der Schule heißt es den halben Tag ruhig sitzen. Selbst beim Turnen geht alles der Reihe nach und möglichst leise. Regeln und ein gewisses Mass an Ruhe und Struktur gehören zu einem fuktionierendem sozialen Miteinander – aber nicht ausschließlich und in diesem Ausmaß.
In der Schule wird eine Prügelei unter Jungs mit Verweisen bestraft und selbst eine Schneeballschlacht in der Pause oder das Spielen mit einem Lederball wird häufig verboten.

Auch in den Familien werden Jungs oft als anstrengend und laut beschrieben- für Eltern eine Herausforderung. Oft fehlt das pädagogische Werkzeug, um für alle Beteiligten einen angenehmen Alltag zu haben

Jungs sind meinen Beobachtungen zur Folge oft sehr empfindsam beziehungsweise empfindlich, tragen dies jedoch meist mit sich selbst aus oder lernen recht schnell den „coolen Macker zu spielen“. Doch wohin mit den Gefühlen? Das lernen sie meist nicht.

Jungen fühlen sich sehr oft von Erziehern oder Lehrern ungerecht behandelt und übermässig sanktioniert ==>  Frust ==> Aggression ==> keine Möglichkeit des Abbaus ==> unangemessenes Verhalten ==> Sanktion ==> Frust ==> kein Repertoire damit umzugehen ==> unangemessenes Verhalten ==> usw. usw.

In meiner Empfindung und Beobachtung bemerke ich, dass die Abläufe und Strukturen in den KiTas und Schulen für den Großteil der „jungen Männer“ oft gar nicht stimmig und sie damit unglücklich sind. Eigentlich wird von ihnen erwartet, dass sie sich verhalten sollen wie Mädchen – leise, ruhig, ordentlich, sanft. Zum rechten Zeitpunkt sollen sie aber bitte  „echte Kerle“ sein und beispielsweise nicht weinen oder Schwäche zeigen. Doch wer hat dies zu bestimmen?
Es ist kaum ein Messen oder Körperlichkeit im Sinne von „laut sein, Toben, Raufen, Hämmern, Sägen, Arbeiten…“ erlaubt und auch nicht erwünscht – da dies von Pädagogen und auch Eltern als laut, anstrengend, gefährlich und mit vermeintlich viel Aufwand verbunden scheint.

Viele Eltern und Fachkräfte wissen heute oft gar nicht mehr welche Rolle ein Junge in der Gesellschaft spielt – spielen müsste und wie sie ihr Kind erziehen sollen: hart? weich?…oft verlassen sich die Eltern auf die Pädagogischen Kräfte und geben die Verantwortung dankbar ab.

Leider häufig ohne Erfolg und besonders ohne ein postives Gefühl für die Jungen! Die Jungen-Pädagogik will Familien bei diesem Thema Unterstützung bieten und den Jungs ein neues Selbstwertgefühl in puncto „Junge-sein“ geben.

In meiner Arbeit aber auch privat konnte ich  oft beobachten wie sich Jungen sofort nach einer Ohrfeige oder einem Tritt wieder von selbst vertragen haben und weiterspielten. Mädchen handeln bei Streitigkeiten oft viel subtiler, viel bewusster (Lästern, Ausschliessen von anderen etc) und damit eigentlich kränkender und nachhaltiger (jedoch unauffälliger und darum oft unbemerkter). Jungs werden an Schulen/KiTas häufiger bestraft da ihre Art Streitigkeiten auszutragen schneller bemerkt wird und als störender empfunden wird – im Gegensatz zu den Aktionen der Mädchen.

Jungen-Pädagogik

Für Themen der Mädchen- Pädagogik wird (richtigerweise) mittlerweile sehr viel an Projekten angeboten, es gibt Arbeitskreise, Gleichstellungsstellen, Soziale Angebote, Broschüren etc – für Jungs gibt es diesbezüglich wenig Angebote wie „Raufen nach Regeln“ (ein Widerspruch in sich?) oder wie sie lernen können ihre Aggressionen in Schach zu halten. Sollen sie das wirklich? Können Sie das überhaupt?

Jungen benötigen in den Einrichtungen wie auch Zuhause andere Angebote und mehr individuellen Raum für ihr „Jungs-sein“.  Es wäre wünschenswert wenn  durch gezielte Jungen-Pädagogik darauf geduldiger, verständnisvoller und professioneller eingegangen würde! Alle Beteiligten könnten davon profitieren.

Mein Anliegen ist es in meiner Praxis Familien zu diesem Thema zu beraten und gemeinsam neue Strategien für den Alltag und das soziale Miteinander zu erarbeiten.

Mein Anliegen ist es auch die Jungen-Pädagogik bei pädagogischen Fachkräften und Einrichtungen publik zu machen – fragen Sie hier bei Interesse gerne nach.